Feuerwehr der Stadt Gerlingen

72/2010
127 Unwetterbedingte Einsätze (H3)

Statistik

Datum: 04.07.2010
Alarmzeit: 05:38 Uhr
Einsatzort: Gesamtes Stadtgebiet
Fahrzeuge: KdoW (1/1), LF 16/12 (1/5), TLF 16/25-1 (1/5), TLF 16/25-2 (1/5), RW 2 (1/2), GW-T, (1/5), MZF (1/3), MTW (1/5), DLK 23/12-SE (1/2)
Weitere Kräfte: WF Bosch Gerlingen-Schillerhöhe: 1/59 (1/3)
FF Affalterbach: MTW (1/8)
FF Bietigheim-Bissingen Abt. Bissingen: 2/11 (1/4), 2/52 (1/2), 2/74 (1/5)
FF Hemmingen: 19-1 (1/8), 44-1 (1/8), 19-1 (1/8)
FW Ludwigsburg: 1/64
FF Marbach: 1/19 (1/8)
FF Remseck: 1/19 (1/8), 1/45 (1/8), 4/42 (1/8), 3/74 (1/4)
FF Steinheim: 1/19 (1/8)
Kreis Böblingen:
FF Leonberg: 1/11 (1/2), 3/42 (1/8)
FF Leonberg Abt. Warmbronn: 3/41 (1/8)
FF Sindelfingen Abt. Maichingen: 2/42 (1/8)
FF Weissach: 1/44 (1/8)
Sonstige Einsatzkräfte:
THW OV Bitigheim-Bissingen: 3 Fahrzeuge
THW OV Freudenstadt: 1 Fahrzeug
THW OV Schorndorf: 1 Fahrzeug
THW OV Stuttgart: 1 Fahrzeug
DRK OV Gerlingen: 66/44-1 (1/2, BSF-T)
ASB Ditzingen: 7/83-1 (1/1, RTW)
Polizei Gerlingen
Polizei Ditzingen

Unwetter über Gerlingen

Am Sonntag Morgen, den 4. Juli 2010, wurde die Gerlinger Feuerwehr gegen 5.30 Uhr zu einem überfluteten Keller in die Jakobstraße alarmiert. Innerhalb kürzester Zeit erhöhte sich die Einsatzzahl um ein vielfaches. Aufgrund der Menge an Wasser und der großen Anzahl an Einsätzen wurde Vollalarm für die Gerlinger Feuerwehr ausgelöst und umgehend Unterstützung durch andere Feuerwehren und das Technische Hilfswerk angefordert. Die Niederschlagsmenge von 100 Liter pro Quadratmeter binnen einer Stunde ließ die Regenrücklaufbecken in kürzester Zeit voll laufen. Auch die Kanalisation hatte keine Chance das gesamte Wasser aufzunehmen.

Personen in Auto eingeschlossen

Noch während der Erstmaßnahmen in der Jakobstraße meldete die Leitstelle ein im Wasser feststeckendes Fahrzeug in der Unterführung auf der L 1181 (Ditzinger Straße). Die zwei eingeschlossenen Personen drohten in ihrem Fahrzeug zu kollabieren. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand das Wasser ca. bis zum Türgriff des Fahrzeugs. Die Personen wurden durch die Feuerwehr gerettet und in Sicherheit gebracht. Auf der Wache wurden sie einer Rettungswagenbesatzung übergeben.

Waldsiedlung und Gehenbühl

Ca. 110 Einsatzstellen hatte die Gerlinger Feuerwehr mit Unterstützung anderer Feuerwehren in Privathaushalten, überwiegend in den Wohngebieten "oberer Gehenbühl" sowie in der "Waldsiedlung", abzuarbeiten. Hier stand das Wasser ca. 10 - 60 cm hoch in den Kellern und Untergeschossen und Einliegerwohnungen. Mit zahlreichen Pumpen arbeiteten die Einsatzkräfte bis an die Erschöpfungsgrenze, viele waren über 20 Stunden im Dauereinsatz.
In der Rosenstraße schlug zudem der Blitz in ein Gebäude ein. Das Objekt wurde von der Feuerwehr kontrolliert, ein Sachschaden entstand aber nicht.

Rathaus

Den größten Schaden richtete das Unwetter im Gerlinger Rathaus und in den städtischen Tiefgaragen an. Innerhalb von 15 Minuten war das gesamte 2. Untergeschoss komplett geflutet, hier hat das Gerlinger Stadtarchiv einen Kollateralschaden erlitten. Das Wasser aus diesem Bereich hob die Betondecke an. Ein Statiker machte sich mehrmals ein Bild der Lage, eine Einsturzgefahr bestand aber zu keiner Zeit.
Im 1. Untergeschoss stand das Wasser bis zu 1,60 m hoch. Die Räume des Amtes für Jugend, Familie und Senioren wurde völlig verwüstet.
Die Einsatzkräfte waren hier fast zwei Tage im Dauereinsatz. Kollegen aus Affalterbach, Marbach, Remseck, Steinheim, sowie Helfer des THW waren hier mit unzähligen Pumpen im Dauereinsatz.
Strom, Telefonanlage und die EDV-Verbindungen fielen aus, was auch die Feuerwehr vor große Probleme stellte, da das Feuerwehrhaus über die gleiche Anlage läuft. Die Führungskräfte kommunizierten mit der Einsatzleitung fast überwiegend über Privathandys, da auch über Funk, da überlastet, oft keine Verständigung möglich war.
Vier städtische Fahrzeuge, zwei Streifenwagen sowie sechs weitere Fahrzeuge aus dem öffentlichen Bereich der Tiefgarage sind jetzt Totalschäden.
Weitere städtische Schadenstellen waren unter anderem Stadthalle, Schulzentrum und Schwimmbad.

Breitwiesenhaus

Betroffen war auch das Gerlinger Breitwiesenhaus, wo im Technikbereich, in der Küche und deren Nebenräume das Wasser stand. Von außen wurde das Gebäude mit Sandsäcken geschützt. Nach Reinigungsarbeiten waren alle Räume wieder nutzbar.

Einkaufscenter Weilimdorfer Straße

In einem Einkaufscenter in der Weilimdorfer Straße stand das Wasser auf gut 13.000 m² knapp 3 cm hoch. Auch hier waren zahlreiche Einsatzkräfte mit dem "trockenlegen" beschäftigt.

Krummbachtal

Der Waldgasthof im Krummbachtal war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Geröllmassen blockierten hier die Anfahrt. Der Ablauf des Krummbachs war durch die Geröllmassen verstopft, was das Oberflächenwasser über das alte Schwimmbad ins Gebäude laufen ließ. Rund 200m² Untergeschoss waren bis zur Deckenoberkannte vollgelaufen. Erst als mit einem Bagger eines Privatunternehmens der "Fluß" umgeleitet wurde, konnten erste Erfolge festgestellt werden. Die Feuerwehren aus Leonberg, Magstadt und Weissach unterstützten hier die Gerlinger Feuerwehr.

Panoramastraße

Auf der Panoramastraße war ein unterirdisches Abwasserrohr geplatz. Der Wasserdruck hob den Kanaldeckel samt Asphalt um ein paar Zentimeter an. Da sich die Stelle in der Fahrbahnmitte befand, konnte sie lediglich mit Verkehrsleitkegeln abgesichert werden.

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Danke

In Spitzenzeiten waren 169 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungsdienst im Dienst, die Zusammenarbeit mit allen Einsatzkräften verlief hervorragend.
Wir möchten uns bei allen beteiligten Einsatzkräften ganz herzlich für die Unterstützung bedanken, solchen Flächenereignissen sind mit eigenen Kräften und Mitteln nicht mehr Herr zu werden. Besonderer Dank gebührt auch unseren "Feuerwehrfrauen" die uns Verpflegungstechnisch und organisatorisch unterstützten.
Danke auch an unsere Fotografen, die uns zahlreiche Bilddokumentationen zur Verfügung gestellt haben.

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